Psychologische Hinweise zum Unterrichten

Psychologische Hinweise zum Unterrichten

von David L. Jones

  1. Begrüße den Sänger mit einer positiven Bemerkung. »Schön Dich zu sehen …« oder »Du siehst heute aber gut aus …« etc.
  2. Erinnere den Sänger daran, was Ihr in der letzten Stunde gemacht habt. Das verstärkt das Gefühl der Kontinuität des Prozesses.
  3. Konzentriere Dich auf den Prozess, nicht das Ergebnis. Es dauert einige Zeit, das Singen zu erlernen und sowohl der Lehrer als auch der Sänger müssen lernen, Geduld zu haben.
    Benutze niemals das Wort »NEIN«! Das verspannt den Körper, weil es einen negativen Beigeschmack hat. Schaffe eine positive Atmosphäre durch Wörter wie »freudige Überraschung« oder »Lachen«.
  4. Leite den nächsten Schritt durch Bemerkungen wie »Ich denke hier benötigst Du etwas mehr…« oder »Kannst du noch etwas mehr…?« Dadurch wird der Sänger angeregt auf eine Bitte zu reagieren anstatt einem Befehl zu folgen. Denke daran: Das hier ist keine Hundeschule! Sänger sind sehr sensibel. Das ist der Hauptgrund, warum sie überhaupt singen. Eine andere positive Bemerkung ist z.B.: »Wenn Du den Gaumen noch etwas mehr dehnst, wird es Dir noch besser gefallen…« etc.
  5. Beginne jede Stunde mit einer einfachen Übung und nur einem Thema. Zu Beginn der Stunde ist Einfachheit sehr wichtig. Später kannst Du weitere Aspekte hinzufügen.
    Versuche den Sänger mehr an Koordination denken zu lassen als an die einzelnen Aspekte. Das kann einige Zeit in Anspruch nehmen, aber das Ergebnis wird vollständiger und nachhaltiger sein. Beispiel: Lasse den Sänger die Vokale mit hohem weichen Gaumen, tiefem Kehlkopf, geschlossenen Stimmbändern und dem Gefühl der Nasenresonanz zugleich sprechen. Das ist wesentlich für gutes Singen. Wenn er die Koordination nie bewusst gefühlt hat (fühlen ist hier das entscheidende Wort), wird ein Sänger Schwierigkeiten haben konstant gut zu sein.
  6. Biete dem Sänger soviel Material wie möglich, ohne dabei die Stunde zu kontrollieren. Dadurch wird der Prozess zu einer gemeinschaftlichen Leistung anstatt zu einer Befehl-und-Gehorsam-Situation. Gleichzeitig hilft das dem Sänger, mit seinem Instrument in einen inneren Dialog zu treten. Ein professioneller Sänger muss das können. Du hilfst ihnen den Weg zu unabhängigem Singen zu pflastern.
  7. Beende die Stunde mit einer Zusammenfassung des Erreichten und gratuliere ihm dafür.
  8. Gebe »konstruktive Hausaufgaben« auf. Häufig beende ich eine Stunde mit einem Satz wie: »Ich möchte, dass Du diese Woche an … arbeitest, nächste Stunde werden wir darauf aufbauen.«
  9. Beende jede Stunde mit einer psychologisch gesehen positiven Bemerkung. Bekommt der Sänger von einem Aspekt keine Vorstellung, mache etwas, das er gut kann. Das ist wichtig für das positiver Geühl des Sängers gegenüber dem Singen und für den Wunsch nächste Woche hoch härter daran zu arbeiten.
  10. Beende die Stunde mit einem Erfolgserlebnis. Auch als Lehrer wirst Du Dich dann besser fühlen. Bedenke, dass Geduld in der Verantwortung des Lehrers und des Sängers liegt

»Es gibt keine Lehrer und Schüler, nur zwei Gedächtnisse, die sich treffen.« Luciano Pavarotti

»Können Sie sich an einen besonders inspirierten Moment in Ihrem Leben erinnern? Können Sie sich an das Gefühl in diesem Moment erinnern und aus der Erfahrung Nutzen ziehen?«

»Bedenke, dass Inspiration und nicht Befehl das spirituelle Erlebnis des inneren Wachstums ermöglicht.« Alan Lindquest

Fragen richten Sie bitte an Christian Halseband, email hidden; JavaScript is required (auf deutsch oder englisch) oder an David L. Jones, email hidden; JavaScript is required (auf englisch).

Alle Rechte am Text vorbehalten David L. Jones © 2000 http://www.voiceteacher.com/

Autorisierte Ubersetzung von Christian Halseband © 2003 http://www.gesanglehrer.de/